Die Geschichte der
Arbeiterwohlfahrt in Singen ist die Geschichte des Ortsvereines und des
Unterbezirks Bodensee, des Bezirksverbandes Baden und des
Kreisverbandes Konstanz.
Es ist die
Geschichte von
Frauen, Männern, von jung und alt aus allen
Bevölkerungsschichten, eine Geschichte alter Singener und
Zugereister, Hilfebedürftiger und sozialengagierter Menschen.
Wo
und wann fing alles an ?
Die Arbeiterwohlfahrt wurde
1919 als Hauptausschuss für Arbeiterwohlfahrt von der ersten
weiblichen Reichstagsabgeordneten, die im Reichstag eine Rede hielt,
gegründet: von Marie Juchacz. Im Protokoll des Reichstags vom
19.02.1919 steht zu dieser Rede:
„Juchacz, Abgeordnete: Meine Herren und Damen ! (Heiterkeit). Es ist
das erstemal, dass in Deutschland die Frau als Freie und Gleiche im
Parlament zum Volke sprechen darf...“
Und dann heißt es: „ Aber damit begeben wir uns nun keineswegs des Rechts,
andersgeartete Menschen, weibliche Menschen zu sein. Es wird uns nicht
einfallen, unser Frauentum zu verleugnen, weil wir in die politische
Arena eingetreten sind und für die Rechte des Volkes
mitkämpfen. (Bravo ! bei den Soz.)“
Die
Sozialdemokratische Partei wollte mit diesem Ausschuss ein Forum
für Fachleute und sozialengagierte Menschen bilden, um Gesetze zu
diskutieren und gleichzeitig Menschen ganz konkret und tatkräftig
zu unterstützen. Friedrich Ebert formulierte es folgendermassen: „Arbeiterwohlfahrt ist die Selbsthilfe der
Arbeiterschaft".
Stellvertretend
für die übrigen Ortsvereine im Landkreis Konstanz
möchten wir die Geschichte des Ortsvereines
Singen und den Zusammenhang mit dem Kreisverband darstellen.
Ähnliche Entwicklungen gab es in den anderen Ortsvereinen, auch
wenn in jedem Ort die aktiven Menschen und Mitglieder jeweils ihrer
Arbeiterwohlfahrt ein eigenes Gepräge gegeben haben.
Für
Singen gibt es leider keine Unterlagen mehr über die Zeit vor dem
Verbot der Arbeiterwohlfahrt 1939. So beginnt die dokumentierte
Geschichte der AWO in Singen erst nach dem Krieg . Nach der
Wiedergründung entwickelte sich die Arbeiterwohlfahrt ständig
weiter und reagierte auf gesellschaftliche und politische Anforderungen
und Probleme.
Anfangs
gab es weiterhin vor Ort die Vereine, die sich 1947 zu einem
Unterbezirk Bodensee zusammenschlossen.
In
Singen gab es eine Geschäftsstelle dieses Unterbezirkes Bodensee.
Diese Geschäftsstelle unterstützte die Aktivitäten der
Ortsvereine. Aus diesem Grund ist bis 1973 vor allem die Geschichte des
Ortsvereines prägend in Singen:
Bereits kurz nach
Kriegsende fanden sich engagierte BürgerInnen, die sich im sozialen
Bereich einsetzten und
versuchten, die allgemeine Not zu lindern. Besonders Eugen Rohmer
gilt es zu nennen, der sich mit unermüdlichem persönlichen
Einsatz einbrachte und die AWO nach dem Krieg hier in Singen als erster
Vorsitzender wieder mitaufbaute. Die Versammlung zur
Wiedergründung der AWO in Singen fand im Februar 1947 in der
Fittingkantine der Georg Fischer AG statt.
Eine Gruppe von
Frauen begann jedoch bereits im November 1945 mit der Errichtung einer
Nähstube, die unter Obhut der AWO, OV Singen noch bis in die 70er
Jahre fortbestand. Das erste Domizil dieser Gruppe war im
Württemberger Hof.
Hier konnten Frauen unter
fachkundiger Anleitung für sich und ihre Familien das
Zuschneiden und Nähen von
Kleidern lernen.
Die wirtschaftliche Notlage
der deutschen Bevölkerung führte in der benachbarten Schweiz
zu einer Welle der Hilfsbereitschaft und so konnte die AWO auf
Einladung schweizerischer Naturfreunde und Gewerkschaften sowie in
Zusammenarbeit mit dem Schaffhauser Großkantonsrat Theo Wanner
bereits Anfang 1947 Kinderspeisungen für Singener Kinder in
Schaffhausen durchführen.
Die Kinder wurden einen
Sonntag lang in Schaffhausen verpflegt und betreut; zum Schluss erhielt
jedes Kind ein kleines Gabenpaket für zu Hause. Die für diese
Fahrten erforderliche Genehmigung der französischen
Militärregierung lag mehr als einmal am Samstag Nachmittag noch
nicht vor, so dass sich Eugen Rohmer oder weitere Mitstreiter noch nach
harter Fabrikarbeit mit aller Kraft dafür einsetzen mussten, die
Genehmigung zu erhalten.
Aber auch für die
Flüchtlinge vor Ort setzte sich die AWO, neben anderen
Wohlfahrtsorganisationen, ein. In Zusammenarbeit mit der
Stadtverwaltung wurden Carepakete und Kleiderspenden in den
Flüchtlingslagern im Singener Seewadel verteilt.
Eine klassische
Aufgabe der AWO war bereits in den 20er Jahren die Durchführung
von Kindererholungsmaßnahmen/Kinderferienkolonien.
Und bereits ab 1948
führte der Ortsverein - zuerst im Naturfreundehaus Brendt bei
Furtwangen, später im Naturfreundehaus Burgmühle,
Gauchachschlucht und danach im Donautal sowie als Zeltlager in Horn am
Bodensee -wieder regelmäßig Ferienkolonien mit je ca. 40
Kinder durch.
Auch hier wurde das Engagement
der Ehrenamtlichen stark gefordert; so opferte Eugen Rohmer und sicher
auch seine anderen HelferInnen seinen Jahresurlaub von 12 Tagen, um die
Freizeiten durchzuführen, denn Sonderurlaub gab es für solche
Aktivitäten damals noch nicht.
Die Durchführung von
Kindererholungsmaßnahmen und Ferienkolonien blieb noch bis zu
Beginn der 80er Jahre eine Aufgabe des Ortsvereins, bevor sie dann
aufgrund des stetig zunehmenden Volumens und auch der gesteigerten
Ansprüche an den Kreisverband abgegeben wurde, der diese Arbeit
auch in Kooperation mit anderen Kreisverbänden noch heute
durchführt.
Seit 1991 führt der
Ortsverein unter Mithilfe seines Jugendwerks Wochenendfreizeiten
für Kinder durch, wobei hier die Intention mehr dahingeht,
alleinerziehende Eltern zu unterstützen und ihnen mal ein freies
Wochenende zu gewähren.
Doch auch die Geselligkeit kam
bei der AWO nie zu kurz. So wurden vom Ortsverein ab den 50er Jahren
bis Anfang der 60er öffentliche Silvesterveranstaltungen in der
Scheffelhalle organisiert, bei denen neben einem bunten Programm mit
verschiedenen Künstlern auch eine Tombola mit 1000 Gewinnen (jedes
Los gewinnt) durchgeführt wurde.
Der Reinerlös wurde
selbstverständlich wieder für die gemeinnützige Arbeit
verwendet.
Eine Tradition, die bis zum
heutigen Tag erhalten blieb, ist die jährliche Weihnachtsfeier
für die Mitglieder. Ihre Wurzeln hat diese Tradition in der kurz
nach Wiedergründung der AWO durchgeführten
Kinderweihnachtsfeier in der Fittingkantine. Die Georg Fischer AG
stellte hierzu Kakao aus der Spende der Schweizer Bevölkerung zur
Verfügung und die Mitglieder hamsterten in den umliegenden
Dörfern Obst und andere Lebensmittel für diese Feier. Die
Bewirtung mit Kaffee und Kuchen bzw. Kakao für die Kinder ist
heute noch so aktuell wie kurz nach dem Kriege und auch der Nikolaus
kommt jedes Jahr mit seinen Helfern zur Bescherung. Allerdings hat sich
das Programm aufgrund der Altersverschiebung etwas verändert.
Während früher Theaterstücke von und für Kinder
aufgeführt wurden, stehen heute mehr musikalische und besinnliche
Programmpunkte für SeniorInnen auf dem Programm.
Gerade durch die
Gründung eines Altenclubs im Ortsverein zu Beginn der 70er Jahre
nahm der Anteil älterer Mitglieder zu. Im Altenclub kann man sich
treffen und in froher Gesellschaft einige nette Stunden verbringen.
Die Initiative zur
Gründung eines Altenclubs ging von Frau Oßwald, der Ehefrau
des damaligen Leiters des Michael-Herler-Heimes, aus.
Seit 1983 wird einmal
monatlich im Sommerhalbjahr eine Halbtagesfahrt angeboten, die rege
angenommen wird, ebenso wie der gelegentlich am Samstag nachmittag
stattfindende Seniorentanz.
Sein erstes Domizil im
Michael-Herler-Heim konnte der Altenclub im Herbst 1973 in die
Schmidstraße und etwa 1975 in die Aachstraße 5 verlegen.
Seit dem Neubau des großen Sozialzentrums des AWO-Kreisverbandes
am Heinrich-Weber-Platz im Jahre 1993 hat der Altenclub im dortigen
Cafe AwoCado seine Heimstatt gefunden.
Auch der Ortsverein hat diese
Umzüge mitgemacht. Zu Beginn der Wiedergründung erfolgten die
Vereinsaktivitäten, Vorstandsitzungen etc. in Gasthöfen bzw.
privat. Nach dem Neubau des Michael-Herler-Altenheimes im Jahre 1963
durch den Bezirksverband konnte auch der Ortsverein dortige Räume
für seine Zwecke nutzen, z.B. wie oben erwähnt für die
Nähstube.
Dennoch drängte es den
Ortsverein zu Beginn der 70er Jahre eigene Räume zu bekommen, um
verstärkt Möglichkeiten für Initiativen des Ortsvereins,
z.B. Altenclub aber auch Jugendräume, Büro etc., zu erhalten.
So setzte sich der
Ortsvereinsvorsitzende Hans Jung mit der Stadtverwaltung in Verbindung
und konnte übergangsweise das städtische Anwesen
Schmidstraße 12 mieten. Unter tatkräftiger Mithilfe vieler
Mitglieder wurden sowohl der Garten als auch die Innenräume
umgestaltet.
Im September 1973 hatte der
Ortsverein erstmals eigene Räumlichkeiten. Da es sich bei der
Schmidstraße nur um ein Provisorium handelte, bis das Haus in der
Aachstraße 5 geräumt war, mußte der Ortsverein zwei
Jahre später bereits wieder umziehen. Die Aachstraße 5 bot
dann 20 Jahre ein Domizil für den Ortsverein Singen und viele
Veranstaltungen wie Mitgliederversammlungen, Altennachmittage etc.
wurden dort abgehalten.
Nachdem die Stadtverwaltung
aufgrund des großen Renovationsaufwandes plante, das Gebäude
in der Aachstraße abzureißen und sich durch den Neubau des
Kreisverbandes am Heinrich-Weber- Platz die Möglichkeit bot, dort
Räume zu erhalten, entschloß sich der Ortsverein erneut zum
Umzug und beteiligte sich mit großer finanzieller Leistung am
Neubau. Heute hat der Ortsverein einen Gruppenraum, der vorwiegend
durch das Jugendwerk genutzt wird. Außerdem kann der
Ortsverein weitere Gruppen- und Allgemeinräume des Kreisverbandes
nach Absprache mitbenutzen.
Als eine wichtige Einrichtung
der Neuzeit des Ortsvereins ist sicherlich das Jugendwerk zu
erwähnen. In der Amtszeit von Günter Wörner als erstem
Vorsitzenden kam es auf Initiative von Reinhard Zedler im Jahre 1990
zur Gründung. Bereits zu Beginn trafen sich jeweils ca. 10
Jugendliche und junge Erwachsene einmal wöchentlich und es
entstanden Projekte wie z.B. die Wochenendfreizeiten oder
Broschüren zum Thema Kriegsspielzeug, We are the World etc., die
dann an Infoständen in der Innenstadt oder beim Jugendflohmarkt
der Stadtjugendpflege verteilt wurden.
Im Jahre 1991 wurde ein
Bezirksjugendwerkstreffen organisiert, das großen Zulauf fand.
Die derzeit im Jugendwerk
engagierten Jugendlichen beteiligen sich vor allem an der
jährlichen samstäglichen Kinderbetreuung in der
Vorweihnachtszeit; außerdem sind etliche von ihnen als
BetreuerInnen der Ferienfreizeiten des Kreisverbandes zu finden.
Der Ortsverein ist
aber auch schon immer an allgemeinen sozialen und zum Teil auch
entwicklungspolitischen Aktionen beteiligt. So übernahm der
Ortsverein in den 70er Jahren für einige Zeit Kinderpatenschaften
in der dritten Welt. In den letzten Jahren unterstützte er vor
allem finanziell aber auch mit persönlichem Einsatz, z.B. bei
einer Kleidersammlung, Hilfstransporte die der Kreisverband in
Zusammenarbeit mit dem Ortsverein Stockach zur Unterstützung der
Region Poltava in der Ukraine durchführte.
Seit 1994 nimmt der Ortsverein
regelmäßig mit einem Kaffee- und Kuchenstand an der
Veranstaltung des DGB zum 1. Mai teil. Die Einnahmen werden jeweils
für einen sozialen Zweck, z.B. zur Unterstützung der
Krebsnachsorgeklinik Katharinenhöhe , verwendet.
Weitere Einnahmen
bringen Flohmärkte, die immer wieder durchgeführt
werden und deren Einnahmen in der Regel der Unterstützung
konkreter Ziele dienen, wie z.B. in diesem Jahr einer Einrichtung des
sozialpsychiatrischen Dienstes.
Eine Einnahmequelle, die
bereits seit vielen Jahren existiert, leider in den letzten Jahren mit
abnehmendem Erfolg, ist die Landessammlung. Einmal jährlich machen
sich SammlerInnen des Ortsvereins auf den Weg, um in der Singener
Bevölkerung Spenden für die Sozialarbeit zu erhalten. In den
letzten Jahren wurde es jedoch immer schwieriger engagierte
SammlerInnen zu finden, so dass nur in einem kleinen Teil des Gebietes
überhaupt gesammelt werden kann.
So hat sich der
Ortsverein der Arbeiterwohlfahrt in Singen seit mehr als 50 Jahren auf
den verschiedensten Gebieten sozialer Arbeit (von der Kinder- und
Jugendarbeit bis hin zur Altenarbeit) mit vielen ehrenamtlichen
HelferInnen betätigt und sicherlich durch ihre Arbeit zu einem
sozialen Klima in der Stadt beigetragen.
Die
Geschichte des Kreisverbandes beginnt mit der Geschichte des
Unterbezirkes Bodensee. Neben der bereits erwähnten
Geschäftsstelle in Singen wurde 1963 das Michael-Herler-Heim im
Malvenweg eröffnet und 1971 die Sozialdienste für
Türken und Jugoslawen unter der Trägerschaft des
Unterbezirkes begonnen, der ein „eingetragener Verein“ war und solche
„Rechtsgeschäfte“ tätigen konnte.
Durch die politische
Kreisreform 1973 verlor der Unterbezirk Bodensee 5 Ortsvereine
(Überlingen, Markdorf, Pfullendorf, Stetten a.k.M.,
Meßkirch) mit 400 Mitgliedern und zwei Landkreise
(Überlingen und Stockach). Damit verbunden waren
Einnahmeeinbußen im Bereich der Mitgliedsbeiträge,
Landessammlung und Kreiszuschüsse. Die Arbeiterwohlfahrt machte
diese Kreisreform mit, da man sich an politischen Strukturen
orientieren wollte.
Übrig blieb ein
Unterbezirk, der identisch war mit dem Landkreis Konstanz.
Als Folge der
Einnahmeeinbußen konnte kein ganztägiger
Geschäftsführer mehr angestellt sein, es musste auf halbtag
reduziert werden. Darum übernahm der Vorsitzende (Hans Wildt aus
Konstanz), als einziger Rentner im Vorstand des Unterbezirkes,
gleichzeitig ehrenamtlich die Geschäftsführung. Dabei wurde
auch die Geschäftsstelle des Unterbezirkes von Singen nach
Konstanz verlegt.
Aufgrund der
Kreisreform gründete sich ebenfalls der Bezirksverband Baden, der
das Michael-Herler-Heim übernahm und 1985 die Seniorenwohnanlage
in der Freiburgerstrasse eröffnete.
Am 19.03.1974
erfolgte die Gründung des Kreisverbandes auf einer Konferenz des
„Unterbezirkes Bodensee“ in Stockach.
Hans Wildt in seiner Rede vor
der Gründungskonferenz:
„Wir
alle wissen, dass wir mitgerissen werden im Strudel der
Zeitentwicklung. Was gestern und heute noch fortschrittlich war, kann
morgen schon wieder überholt sein. Die rasante Fortentwicklung auf
allen Gebieten des menschlichen Lebens zwingt auch uns oft sehr schnell
zum Umdenken....Vor allem aber dürfen wir nicht resignieren – denn
Stillstand ist gleich Rückgang.
Viele
unter Ihnen wissen noch, was die AWO vor über 50 Jahren war. Es
war eine Selbsthilfeorganisation, die es sich zur Aufgabe gemacht
hatte, den bedrückten und unterdrückten Menschen zu helfen.
Die
Aufgaben haben sich gewandelt.
Der
Begriff des Helfens aber ist geblieben. Und den Menschen Hilfe zu geben
ist und bleibt eine der schönsten Pflichten auch des moderne
Menschen. Und diesen Pflichten wollen und können wir uns nicht
entziehen.“
Die erste Kreiskonferenz nach
der Gründung fand am 19.03.77 im Hotel Widerhold in Singen statt.
Im Dezember 1977 teilt in
einem Schreiben an Hans Wildt der Landrat des Landkreises Konstanz,
Robert Maus, mit:
„ ...und
kann der Arbeit der Arbeiterwohlfahrt im Landkreis Konstanz nur meine
höchste Anerkennung zollen.
Ich habe
durchaus Verständnis dafür, dass die Kostensteigerungen der
letzten Jahre hart an der Substanz des Kreisverbandes... gezehrt haben.
Uns geht es in den Kommunalhaushalten nicht anders...
30
Millionen werden 1978 voraussichtlich notwendig sein, um das Loch im
Sozialhaushalt zu stopfen...
Ich
bitte herzlich um Verständnis, dass ich bei dieser
Gewaltanstrengung im sozialen Bereich nicht die
Freiwilligkeitsleistungen ins Unermessliche steigern kann...“
1979 wird der Leiter des
Michael-Herler-Heimes, Werner Oßwald, zum Vorsitzenden
gewählt.
1980 wurde die
Geschäftsstelle des Kreisverbandes nach Singen ins
Michael-Herler-Heim verlegt und der erste hauptamtliche und dafür
ausgebildete Geschäftsführer eingestellt: Werner Neidig.
Im Februar 1981übernahm
der Kreisverband mit dem Mobilen Sozialen Dienst die erste
professionell betriebene Einrichtung in Singen.
Am 9.05.1981 findet wieder
eine Kreiskonferenz in Singen statt.
Im Geschäftsbericht
steht: „Es gibt zuwenig Zivildienstleistende.
Wir müssen ständig bemüht sein, neue
Zivildienstleistende zu gewinnen, damit die Kontinuität der Arbeit
gewährleistet ist.“ Diese Thematik hat sich bis in die
heutige Zeit nicht oder nur kaum verändert. Heute sind nur noch
wenige Zivildienstleistende bei der AWO im Landkreis Konstanz
beschäftigt.
Am 18.07.1990 legt
Werner Oßwald sein Amt als Vorsitzender aufgrund seines
Gesundheitszustandes mit sofortiger Wirkung nieder. Er verstarb am
21.09.90 nach schwerer Krankheit im Alter von 63 Jahren.
Auf der Kreiskonferenz in
Singen im Kulturzentrum Gems am 29.09.90 wird Dietmar Johann zum
Vorsitzenden gewählt.
Er stellt in seiner
Begrüßung die Frage:
„Ist die
freie Wohlfahrtspflege noch frei ? Suchen wir unsere Aufgaben
selbständig, sind wir in unseren Aktivitäten weitgehend
unabhängig und frei dank des ehrenamtlichen, unentgeldlichen
Potentials und der Eigenfinanzierung aus Spenden usw..?
Die
Elemente unserer Aufgabenautonomie:
-
Ehrenamtlichkeit
-
Unentgeltlichkeit
-
Eigenfinanzierung
sind
unserer Zeit gewichen....
Und doch
ist und bleibt in unserer AWO das ehrenamtliche Engagement nach wie vor
stark ausgeprägt. ...Es geht nicht um ein Nebeneinander, sondern
um ein Miteinander von Haupt- und Ehrenamtlichen...“
Die rechtliche
Verselbständigung durch die Erreichung des Status als
eingetragener Verein (e.V.) 1993 war ein wichtiger Schritt hin zur
Zukunftsfähigkeit der Arbeiterwohlfahrt.
In den nächsten Jahren
prägen die Themen Arbeitslosigkeit , Ehrenamt, Sicherung der
Wettbewerbsfähigkeit als Anbieter sozialer Dienstleistungen und
der ideologische Schritt vom Klienten zum Kunden die Diskussionen
innerhab der Arbeiterwohlfahrt.
Dietmar Johann weist 1998 bei
einer Konferenz vor allem auf die Diskussion über Leitbild und
Leitlinien der AWO hin, die sich über mehrere Jahre hinzog und
auch im Kreisverband diskutiert wurde.
„Die
Diskussion war überaus wichtig und hat gezeigt, dass sich die AWO
als Gesamtheit von Mitgliederorganisation und
Dienstleistungsunternehmen sieht.“
Er weist auf die
wirtschaftlichen Probleme hin, die Veränderungen in der
Sozialarbeit und die Organisation der Ortsvereine mit ihrem Wunsch,
Begegnungsstätten zu haben.
Ein gewichtiges Thema war die
Mitgliedsbeitragserhöhung.
„Wir
müssen klar machen, dass der Mitgliedsbeitrag die AWO fördert
und damit unsere soziale Arbeit und keine Eigeninteressen.
Wir
können stolz sein und müssen uns nicht verstecken. Wir
dürfen selbstbewusst sagen, dass unser Engagement uns nicht nur
Spaß macht und uns in Bezug auf den Lebenssinn ein gutes
Stück Erfüllung bietet, sondern dass wir dabei einen
wichtigen und qualifizierten Part übernehmen zur Gestaltung eines
friedlichen, sozialen und würdigen Zusammenlebens in unseren
Dörfern, Städten, Gemeinden, in unserem Land.“
1999 konnte die 25-Jahresfeier
des Kreisverbandes in Singen, im Kulturzentrum Gems, stattfinden.